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Deutscher
Richterbund
Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. |
Die
Preisträger:
1.
Preis
Jahrgangsstufe
9 der Anne-Frank-Realschule in Ahaus
Ökumenischer
Gottesdienst zum Thema Menschenrechte, der am 12.12.2006 in der St.Josef-Kirche
in Ahaus abgehalten wurde.
Hier
können Sie sich den Gottesdienst ansehen
(Microsoft
Word erforderlich)
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Würdigung
durch die Justizministerin Frau Müller-Piepenkötter:
Vielleicht
ist es in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich, einen ökomenischen
Gottesdienst als ersten Platz für den ersten Martin-Gauger-Preis
auszuwählen. Ich bin sicher, Sie werden wie die Jury von
dieser Arbeit begeistert sein. Die Jahrgangsstufe 9 der Anne-Frank-Realschule
in Ahaus hat einen Gottesdienst geschaffen, der alle von der
Jury verlangten wichtigen Elemente vereint: Phantasie, Engagement,
Wissen und auch hier als Zugabe eine Portion Humor. Das Besondere
an dieser Arbeit ist, dass Martin Gauger mit in die Predigt
einbezogen worden ist. Dies bietet sich auch in besonderer Weise
an. Denn Martin Gauger weist nicht nur einen Bezug zu den Menschenrechten,
sondern auch zur christlichen Religion aus. Denn er hat aus
seiner christlichen Überzeugung heraus bis zum Schluss
versucht, das Schicksal für viele Menschen zu wenden. Dabei
hat er sich selbst nicht geschont.
Einen besonders eindrucksvollen Auszug aus dem Text möchte
ich Ihnen nicht vorenthalten. Es handelt sich um eine Variante
des Glaubensbekenntnisses, die das herausstellt, woran die Schüler
nicht glauben. Dort heißt es:
"ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren, nicht
an Waffengewalt, nicht an die Macht der Aggressivität.
Ich glaube an die Menschenrechte, an die Solidarität unter
den Völkern und an die Stärke der Gewaltfreiheit.
Ich glaube nicht an Rassismus, Reichtum, Privilegien noch an
eine unwandelbare festgelegte Ordnung. Ich glaube, dass alle
Männer und Frauen in gleicher Weise Menschen sind und dass
eine Ordnung, die sich auf Gewalt und Ungerechtigkeit stützt,
keine Ordnung, sondern Unordnung ist."
Besonders eindringlich ist auch die Lesung "Ein guter Mensch
am Höllentor". Sie handelt davon, dass die Hölle
nahezu voll und nur noch ein Platz frei ist. Es gibt aber eine
Vielzahl von Bewerbern für diesen einen Platz. Der Teufel
wählt unter diesen nicht etwa einen Mörder, Vergewaltiger
oder sonstigen Schwerverbrecher aus. Vielmehr entscheidet er
sich ohne zu zögern für den selbstgefälligen
Gaffer, der allen Verbrechen mitleidlos zugeschaut hat und sich
gleichwohl für völlig unschuldig hält. Dies ist
ein unüberhörbarer Appell an die Mitmenschen, sich
für die Menschenrechte zu engagieren. Mit moderner, deutschsprachiger
Musik wird diese Botschaft gestützt. Ich zitiere etwa Xavier
Naidoo aus dem Lied "Was wir alleine nicht schaffen":
"Unsere Waffe nennt sich unser Verstand".
Wir sehen gleich eine kurze PowerPoint-Präsentation, die
in den Gottesdienst eingebaut ist. Wer den Gottesdienst insgesamt
erleben möchte, ist aufgerufen, an diesem am 12.12.2006
um 7:45 Uhr in der St.Josef-Kirche in Ahaus teilzunehmen.
Ich bin sicher, die Wahl der Jury wäre auch ganz im Sinn
Martin Gaugers.
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2.
Preis
Klassen 11-13
des Johannes-Rau-Gymnasiums in Wuppertal
Vielfältige
Projekte zum Thema Menschenrechte, u.a. Skulpturen beispielsweise über
die Beschneidung von Mädchen.
Um
die Arbeiten zu sehen klicken Sie hier
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Würdigung
durch die Justizministerin Frau Müller-Piepenkötter:
Es ist
tatsächlich möglich: Die Menschenrechte über
Skulpturen darzustellen. Die Klassen 11 - 13 des Johannes-Rau-Gymnasiums
in Wuppertal haben es unter Beweis gestellt. Die Skulpturen
sind zwar nur ein Ausschnitt aus einer ganzen Reihe von Projekten,
jedoch ein besonders beeindruckender. Dabei haben sich die Schüler
auch an besonders schwere und kaum darstellbare Probleme herangewagt,
wie z.B. das der Beschneidung von Mädchen. Das Niveau der
Arbeiten ist herausragend. Die Jury hat mir mitgeteilt, dass
deshalb auch durchaus diskutiert worden ist, ob die Arbeiten
nicht mit dem 1. Platz ausgezeichnet werden müßten.
Sie können sich nachher die Arbeiten mit den erläuternden
Texten anschauen. Ich bin sicher, Sie werden der Jury in ihrer
Beurteilung zustimmen.
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3. Preis
Sozialwissenschaftskurs
der Stufe 11 (4) des Ricarda-Huch-Gynmnasiums in Gelsenkirchen
Filmbeitrag
zur Situation der Gefangenen in Guantanamo und Interview mit dem Anwalt
des früheren Guantanamo-Gefangenen Murat Kurnaz.
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Würdigung
durch die Justizministerin Frau Müller-Piepenkötter:
Auch im
Filmbeitrag des Sozialwissenschaftskurses der Stufe 11 des Ricarda-Huch-Gymnasiums
wird deutlich, dass das Thema Menschenrechte die westliche Welt
be-trifft.
Wie reagieren wir auf die Herausforderungen des Terrorismus?
Sind wir bereit, rechtsstaatliche Standards zu reduzieren? Sind
wir dazu gar genötigt, weil wir anders die Geißel
des Terrors nicht bezwingen können?
Der Filmbeitrag setzt hier durchaus provozierend eindrückliche
Bilder zur Situation der Gefangenen in Guantanamo einem eigens
gefertigten Interview mit dem Anwalt des früheren Guantanamo-Gefangenen
Kurnaz entgegen, der um die Rechte seines Mandanten kämpft.
Durch den Filmbeitrag wird eindeutig Partei ergriffen. Genau
dies hält die Jury für preiswürdig. Denn Menschenrechte
benötigen Engagement, um sich überall auf der Welt
verbindlich durchsetzen zu können. Auch der Westen ist
dabei durchaus gefährdet, einen falschen Weg zu gehen.
Dies möchte der Sozialwissen-schaftskurs der Stufe 11 des
Ricarda-Huch-Gymnasiums mit seinem Beitrag aufzei-gen. Hierfür
hat die Jury den 3. Platz zuerkannt.
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4. Preis
Klasse 10
b des Gymnasiums Mönchengladbach-Rheindahlen
Menschenrechtsverletzung durch Sextourismus, Kinderhandel und Kinderpornographie
anhand von konkreten Einzelfällen
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Würdigung
durch die Justizministerin Frau Müller-Piepenkötter:
Menschenrechtsverletzungen
sind nicht nur ein Thema des Auslands. Vielmehr kön-nen
sie auch in Deutschland oder durch Deutsche im Ausland geschehen.
Damit ge-hen sie uns unmittelbar an.
Ein wichtiges Thema, das in diesem Bezug zu sehen ist, hat der
Religionskurs der Klasse 10 b des Gynmasiums in Rheindahlen
aufbereitet - den organisierten sexuel-len Missbrauch durch
Sextourismus, Kinderpornographie und Kinderhandel. Schon die
Einführung in das Thema anhand eines konkreten Einzelfalls
ist bedrückend. Nä-her aufgezeigt wird dann die Problematik
des sexuellen Missbrauchs von Kindern über die Darstellung
der Lage auf den Philippinen - ebenfalls belegt mit Einzel-schicksalen.
Doch das Thema betrifft nicht nur den fernen Osten - auch in
Osteuropa gibt es Kinderprostitution. Dies ist dann auch der
Übergang zu dem Thema Verge-waltigung von Kindern mit den
psychischen und juristischen Folgen.
Schließlich wird noch eine 3. Problematik aufgegriffen,
die des Kinderhandels. Die Gründe für dieses Phänomen
werden ebenso erläutert, wie die Möglichkeiten der
Bekämpfung.
Der eindrückliche Beitrag zu diesem drängenden Thema
war der Jury preiswürdig. Sie hat deshalb Klasse 10 b des
Gymnasiums in Mönchengladbach-Rheindahlen den 4. Platz
zuerkannt.
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5. Preis (dieser wurde 2x vergeben)
Schülerzeitungsredaktion
der Klassen 9/10 der Esla-Brandström-Schule (Hauptschule) in Ratingen
Schülerzeitung
zu verschiedenen menschenrechtlichen Themen im In- und Ausland.
Um
die Arbeiten zu sehen klicken Sie hier
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Würdigung
durch die Justizministerin Frau Müller-Piepenkötter:
Die Redaktion
der Schülerzeitung "Booohr" der Elsa-Brandström-Schule
in Ratingen hat sich in der 56. Ausgabe auf mehreren Wegen dem
Thema Menschenrechte ge-nähert. Dabei ist zunächst
bemerkenswert, dass sich die Schüler keineswegs ihre Informationen
nur aus Büchern oder dem Internet geholt haben, sondern
mit einer ganzen Reihe von Menschen gesprochen und Veranstaltungen
aufgesucht haben. Zu nennen sind:
- Eine
Andacht der Evangelischen Stadtkirche in Ratingen zu dem Thema
Sicher-heit statt Menschenrechte,
- eine Diskussionsveranstaltung mit einem Menschenrechtsaktivisten
und einem Verbandsfunktionär einer Polizeigewerkschaft,
- der Besuch der Straße der Menschenrechte in Nürnberg
und
- ein Interview mit dem örtlichen Vorsitzenden von amnesty
international.
Es wird
damit das Thema auf vielfältige und interessante Weise
aufbereitet. Die Auf-sätze verhalten sich zudem zu einer
Vielzahl von Menschenrechtsproblematiken. Chile, Palästina
oder Korea werden ebenso aufgegriffen wie der Fall Kurnaz. Dabei
ist es den Redakteuren ein Anliegen, darzustellen, dass auch
in Deutschland jeder etwas zur Verbesserung der Lage bewirken
kann. Etwa durch Versendung eines ab-gedruckten Musterschreibens
an die Behörden von Kambodscha oder durch den Be-such der
Straße der Menschenrechte in Nürnberg.
Dieser Beitrag hat insgesamt das Thema Menschenrechte äußerst
vielschichtig und überaus informativ aufbereitet und ist
deshalb von der Jury ebenfalls mit dem 5. Preis ausgezeichnet
worden.
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5. Preis (dieser wurde 2x vergeben)
Klasse 10
a des Gymnasiums in Schloss Neuhaus
Kalenderblätter
zu den ersten 12 Artikeln des Grundgesetzes
Um
diese zu sehen klicken Sie hier
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Würdigung
durch die Justizministerin Frau Müller-Piepenkötter:
Die Klasse
10 a des Gymnasiums in Schloss Neuhaus hat im Rahmen des Kunstunterrichts
den Zusammenhang zwischen den Menschenrechten und den Grundrechten
unseres Grundgesetzes thematisiert. Dabei hat sie die ersten
12 Grundrechtsartikel in Form von Kalenderblättern optisch
dargestellt.
Die Kalenderblätter zeichnen sich durch Phantasie und originelle
Ideen aus.
So wird beispielsweise das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz
nach Art. 3 GG auf die Gerichte bezogen und zutreffend dahin
übersetzt, dass die Gerichte ohne Ansehen der Person zu
entscheiden haben. Dies wird verdeutlicht, indem eine Reihe
von Männern vor einem Landgericht dargestellt wird, die
vom äußeren Aussehen her alle gleich erscheinen -
bis auf die Farbe. Dieser Farbunterschied kann als Hinweis darauf
interpretiert werden, dass Gleichheit vor dem Gesetz nicht bedeutet,
alle Menschen identisch zu behandeln. Vielmehr setzt das Gesetz
deren subjektive Unterschiedlichkeit voraus. Gleichheit vor
dem Gesetz heißt nicht diese Unterschiede zu verleugnen
und eine unterschiedslose Gleichbehandlung aller in jeder Hinsicht
zu fordern. Gleichheit vor dem Gesetz bedeutet vielmehr, sich
über die individuellen Unterschiede der Menschen bewusst
zu sein - ihnen aber keine ausschlaggebende Bedeutung zukommen
zu lassen.
Interessant ist auch die Interpretation des Brief-, Post- und
Fernmeldegeheinmisses des Art. 10 Grundgesetz. Hier beschränkt
sich der Staat selbst, um dem Bürger einen möglichst
großen Freiraum zukommen zu lassen. Diese Beschränkung
des Staates wird dargestellt, indem die Medien durch einen Maschendraht
geschützt sind.
Die Arbeit verdeutlicht insgesamt, dass Menschenrechte und speziell
die Grundrechte keinesfalls abstrakte Dinge sind; vielmehr jedermann
tagtäglich betreffen. Sie lassen sich sogar optisch mit
einem Schuss Humor darstellen. Bei diesen Vorzügen hat
die Jury die Arbeit als preiswürdig angesehen und in einer
für Juristen ungewöhnlichen Großzügigkeit
bewusst darüber hinweggesehen, dass das Grundgesetz keine
Paragraphen, sondern nur Artikel kennt.
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